Feuertaufe

Mit den Zahlen hab ich’s nicht so. Das bleibt sich selbst beim Nebenjob in der Apotheke gleich. Auch nach drei Wochen verwechsle ich noch Lieferungen oder klaue meinen Kollegen die Ware, nur weil ihre Bestellnummer bis auf eine Ziffer mit der meinen identisch ist. Regelmässig bemühe ich mich auch in den Keller, um Medikamente zu holen, die ich gar nicht bräuchte, oder die längst bereit stehen.
Doch erste Fortschritte sind klar zu erkennen. So habe ich mich mit dem Computer angefreundet, nachdem ich ihn gleich bei der allerersten Bestellung zum Absturz brachte. Leere Batterien im Warenscanner habe ich erfolgreich ausgewechselt. Grosse Kisten platziere ich neu direkt auf dem Wägelchen und riskiere nicht mehr einen Bruch. Kühlschrankware wird als solche gekennzeichnet, und die Leiter muss fachgerecht aufgestellt werden, um an die Kartons im Lager heran zu kommen, sonst kann die Arbeit gesundeitsschädigend werden.
Auch meine Angst, im Keller-Kühlschrank eingeschlossen zu werden, hat sich langsam gelegt, ein mulmiges Gefühl überkam mich nur bei der Betäubungsmittel-Inventur im dunklen Verliess des Spitals. Und bei Mengen so um die Tausend war es nicht so leicht, den Überblick zu behalten über Morphium, Methadon und Konsorten. Erleichtert hörte ich Tags darauf, dass ich mich nur bei einem Artikel um eins verzählt hatte.
Wenigstens ist meine Anwesenheit ab und zu für ein Stirnrunzeln und Schmunzeln bei den Kollegen gut. Und wenn ich noch lerne, die Ethanol-Flaschen nicht ständig fallen zu lassen, dann steht die Apotheke auch nach meinem Aushilfe-Einsatz noch.
Am 19. September 2006 um 19:05 Uhr
Hinzugefügt werden muss jedoch, dass diese Ethanolflaschen mit ihrem stolzen Eigengewicht von 83,5 Kilo auch leicht aus den Fingern rutschen, was auch bei den stirnrunzelndschmunzelnden Kollegen ab und an für rote Köpfe sorgen kann.