Brüderlein und Schwesterlein

Mein Vorsatz hat nicht lange gehalten. Nur gerade gute 20 Minuten. Dann habe ich gemerkt, dass C. mittlerweile bestens Bärndütsch versteht. Das nahm der süssen Rache irgendwie den Reiz.

Also poliere ich weiterhin mein Hochdeutsch auf. Letztens sogar im Doppelpack. C. hat nämlich Besuch vom Brüderlein gekriegt. Er sprach noch unverständlicher als C., um nicht zu sagen er nuschelte von seinen 1.90 m oben herab (Distanz zu meinen 1.52 m, man rechne!). Und wollte im Gegenzug über das politische und wirtschaftliche Geschehen in der Schweiz informiert werden. Ich gab mein bestes, Brüderlein die Klischees auszutreiben, die sich in seinem Gehirn festgesetzt hatten.

Er war ein guter Schüler. Und mit ein wenig mehr Training, würde er hier bald nicht mehr auffallen. Dann könnte er sich in Erlenbach im Simmental niederlassen. Dort wo Milch und Honig und Schokolade fliessen, wo Kühe noch echtes Gras fressen, die Berner Sennenhunde noch ohne Maulkorb kläffen dürfen und wo höchstens Geranien ihm die Sicht aufs Stockhorn rauben.

Selbst den Fondue-Test hat er bravourös gemeistert und bloss ein einziges Mal sein Brot verloren. Von seiner Strafe abgelenkt hat er virtuos mit einer schauerlichen Geschichte über seinen gebrochenen Finger und das Anboren des Fingernagels. Naja, an den Tischmanieren müssten wir wohl noch feilen. Aber wenn drei aus einem Topf essen, darf man nicht zu hohe Ansprüche stellen.

Vor weiteren Gefahren hat Schwesterlein ihn bewahrt. Sie hat seine Brote geschmiert, ihm den Kaffee ans Bett gebracht und stundenlang traumhafte Wanderrouten zusammengestellt. Mein Beitrag zur Idylle ist mit einem Fondue-Höck recht bescheiden ausgefallen. Umso mehr habe ich mich über die Pralinen gefreut. Ein “merci schön” nach Berlin!

Einen Kommentar schreiben