Schleudersitz

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Die behaupten, dass Tourismus bei Regen keinen Spass macht, täuschen sich gewaltig. Ein Regenguss kann sogar einen gewöhnlichen Touri-Ausflug in ein Abenteuer verwandeln. So geschehen am Samstag im idyllischen Sintra nahe von Lissabon.

Bei eitel sonnenschein gingen wir in den Palast. Es nieselte als Sonja und ich nach einer Stunde in den hehren Gemäuern wieder nach draussen kamen. Und es goss in Strömen als wir den Bus bestiegen, um die maurische Festung auf dem Hügel zu erreichen.

Auf der Fahrt waren wir von der Fahrweise des Chaffeurs beeindruckt. Er ging so zügig in die engen Kurven, dass selbst die sitzenden Fahrgäste sich festhalten mussten. Eine französische Touristin geizte nicht mit “mon Dieus” und “oh la las”. Die Deutschen machten hie und da eine anerkennende Bemerkung. Wir fanden, dass es auf dem Gantrisch oder dem Gurnigel auch so zugeht und zeigten uns unbeeindruckt.

An einigen besonders steilen Stellen hatte der Chauffeur Mühe, den Bus über die glitschige Fahrbahn zu manövrieren. Er musste zurücksetzen und Anlauf nehmen. Der französischen Touristin wurde mulmig. Sie lamentierte laut. Ihre Tochter tat ihr Möglichstes, die Mama zu beruhigen.

Die Fahrt ging vorerst weiter. Doch bald einmal war an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken. Das eine Hinterrad des Busses drehte durch. Der Fahrer gab mehr Gas - es nützte nichts. Wir steckten fest. Auch mehrmaliges Anlaufholen brachte nichts. Der lästige Geruch von verbranntem Gummi drang in unsere Nasen, von den Pneus her stieg Rauch auf. Die Französin hatte eine Panick-Attacke. Sie schrie “qu’il nous laisse descendre, qu’il ouvre les portes”. Doch es half nichts. Ein Busfahrer, der etwas auf sich hält, bringt seine Gäste ans Ziel - koste es, was es wolle.

Die Deutschen kommentierten das Geschehen mit kompetentem Ton. Dann kam jemand auf die Idee, dass eine Gewichtsverlagerung in den hinteren Teil des Gefährts womöglich hilfreich sein könnte. Wir drängten uns nach hinten. Auch bei mir kamen erste klaustrophobe Gefühle auf. Die Französin schrie: “Ouvrez les portes! Ecoutez, ouvrez les portes!” Ihre Tochter übersetzte den Hilfeschrei dann auf Englisch, worauf sich auch die Deutschen entschlossen, das sinkende Schiff, oder den schlingernden Bus zu verlassen. Dem Fahrer blieb nichts anderes übrig, als die Touristen rauszulassen.

Er selbst machte sich daran, die Profile der Reifen zu prüfen, um gleich danach wieder einen erfolglosen Versuch zu starten. Ich dachte nur kurz daran, wie er bald rückwärts die abschüssige und kurvige Strasse runterrollen würde - oder wie er, einmal oben angekommen, gleich wieder im Höllencarajo runterrasen würde mit schlechten Reifen. Ich wollte nun definitiv auch aussteigen.

Von aussen sahen wir die Spuren auf der Strasse. Und beim nächsten Versuch kam der Bus dank wesentlich weniger Ladung zwar etwas weiter, kriegte aber die Kurve nicht und kam ins Schleudern.

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Unterdessen kam ein zweiter Bus mit besseren Pneus und kurz darauf ein dritter. Die coolen Deutschen stiegen dort ein, die amerikanischen Tramperinnen zogen es vor, beim maurischen Schloss Unterschlupf vor dem Regen zu suchen. Sonja und ich wagten todesmutig den Fussmarsch zur königlichen Sommerresidenz. Für die knapp 200 Meter brauchten wir auch nicht lange - total durchnässt waren wir aber trotz Schirm.

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Das Schloss von Pena war die Mühe aber allemal Wert! Auch in Nebelschwaden gehüllt sah es entzückend aus. Wo Kunsthistoriker das Stilgemisch beklagen, sahen wir immer nur einen Turm oder eine Fassade - also jeweils nur einen Stil. Dafür fühlte es sich fast so an, als hätte man mehrere verschiedene Gebäude gesehen.

Drinnen war es, wenn auch nicht warm, doch zumindest einigermassen trocken (ausser bei der Veranda, wo der stürmische Wind den Regen durch die schlecht schliessenden Fenster trieb). Von der Stimmung her wähnten wir uns eher in Schottland als in Portugal, dafür hatten wir die königliche Sommerresidenz fast für uns alleine.

Eine Reaktion zu “Schleudersitz”

  1. Simu

    dänu hätt ds sicher besser chönnä ;)

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