Botellón oder was?
Alle Welt redet über das Phänomen “Botellón”. Die einen finden es gut, die andern möchten es verbieten. Die einen monieren, es sei ein neuer Trend, die anderen, es habe immer schon existiert. Manche behaupten, das Trinken ohne Grund sei verwerflich, andere behaupten, das Trinken mit Grund sei es nicht weniger.
Neben der Frage, ob man überhaupt darüber berichten sollte, beschäftigten mich am Samstag vor allem diese Probleme: Wie schreibt man “Botellón”? Mit oder ohne Akzent? Laut spanischer Orthografie gehört im Singular ein Akzent aufs O, nicht aber im Plural. Sollen aber fremdsprachige Schreibregeln im Deutschen angewandt werden?
Da wir uns um Korrektheit bemühen, schreiben wir das Ding mal mit Akzent. Doch dann kommt bereits die Frage nach der besten Übersetzung. Wörtlich mit “grosse Flasche” oder im übertragenen Sinn mit “Trinkgelage” oder “Massenbesäufnis”? Etwas neutraler mit “Trink-Party”? Oder lässt man das Übersetzen sein und belässt es bei umständlichen, weitschweifigen Erklärungen?
Ganz um das Wort “Botellón” wird man nicht herum kommen. Doch schon lauert die nächste Gefahr: Das Geschlecht. Männlich, weil es so männlich klingt? Der “Botellón”. Üblicherweise wird für Lehnwörter der Genus der deutschen Übersetzung übernommen. Doch welche Übersetzung? Das “Botellón” für das Trinkgelage? Oder am Ende die “Botellón” für die grosse Flasche?
Das Pièce de résistance ist dann noch die Aussprache. Damit hatten auch die “Botellón”-Besucher ihre liebe Mühe. Und das Beste: So richtig hat den Jungen das Trinken ohne Rahmenprogramm nicht Spass gemacht, wie ich fand. Wenn wir Glück haben, hat sich das Phänomen bereits selbst überholt…