Multi-Tasking Nonstop
Was ich bereits geahnt habe, hat sich nun bestätigt: Ich bin nonstop auf Draht. Die Ausstellung mit demselben Namen im Stapferhaus Lenzburg hat mir das heute schonungslos vor Augen geführt. Nach bester Manier habe ich die Hörbeispiele nicht alle bis zum Schluss durchgehört. Konnte mich gerade noch zusammenreissen, nicht gleichzeitig mit zwei Stetoskopen die Wand auszuhorchen, das ginge nämlich prima, eines im linken eines im rechten Ohr.
Die interaktiven Befragungen erledigte ich im Eilzugtempo und im aufgrund meiner Antworten empfohlenen “time out” im Kinosaal mit elend langfädigen Einspielern, nutzte ich die Zeit gleichzeitig zum entspannten Sitzen und zum Stillen des kleinen Hungers. Dafür weiss ich nun, dass ich in der Zeit, die mir auf Gottes Erde noch bleibt, statistisch noch 5 Jahre und 10 Monate malochen muss, mit Geschirrspülen werde ich noch 8 Monate und 2 Wochen verbringen.
Kochen wird mich noch 1 Jahr und 11 Monate beschäftigen, Haus- und Familienarbeit 5 Jahre und 11 Monate. Geschlagene 6 Jahre meiner Restlebenszeit wird fürs Fernsehen draufgehen, 5 Monate werde ich mit meinem Partner reden und immerhin 2 Monate und 1 Woche sollte ich Sex haben.
Einige Aktivitäten, die ich auch noch in meinem Tagesablauf unterzubringen pflege, kommen in der musealen Zeitrechnung leider nicht vor. So hätte mich interessiert, wie lange ich noch veloputzen oder singen oder schlafen werde. Auch der Zeitaufwand fürs Zähneputzen oder Haarewaschen hätte mich bestimmt verblüfft.
Ich frage mich nun noch: Wie lautet das Zeitbudget, wenn ich beispielsweise Kochen mit Reden mit dem Partner kombiniere?
Die Ausstellung “Nonstop” ist sehr empfehlenswert, weil sie, und ja, jetzt kommt das Wort zum Sonntag, zum Nachdenken über unsere Zeit und unser Zeitalter anregt. Sie läuft noch bis am 29. November 2009.